Wird die Abschreibung versehentlich nicht vorgenommen, kann sie nicht nachgeholt werden.

(c) endrille - Fotolia.com

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In einen Verwertungsbetrieb war ein Patent eingelegt worden. Doch die Einlage, der Einlagwert sowie die Restnutzungsdauer wurden mit der Finanzverwaltung erst Jahre nach der Einlage diskutiert. Bis dahin hatte der Kläger keine Abschreibungen auf den Einlagewert vorgenommen. Damit war ein neuer Streitpunkt geschaffen. Wie viel konnte denn jetzt noch abgeschrieben werden?
Das Finanzgericht stellte sich auf Seite des Klägers und berücksichtige einen Teil des Einlagewerts  als Abschreibung und den anderen Teil gewinnmindernd bei der Ermittlung des Aufgabegewinns durch die Veräußerung des Patents. Damit hatte sich der gesamte Einlagewert gewinnmindernd ausgewirkt.
Der Bundesfinanzhof teilte aber die Meinung der Vorinstanz nicht. Der Kläger, der seinen Gewinn durch Einnahme-Überschuss-Rechnung ermittelt, darf keine höheren Beträge absetzen können als ein anderer Unternehmer, der seinen Gewinn durch Betriebsvermögensvergleich (Bilanz) ermittelt. Es gilt das Prinzip der Gesamtgewinngleichheit. Damit kann der Kläger im ersten noch offenen Veranlagungszeitraum nur den Wert einbuchen und abschreiben, der sich ergeben hätte, wenn er die Abschreibungen von Anfang an richtig vorgenommen hätte. Damit wirkt sich nur der Restbuchwert gewinnmindernd aus. Ein Unternehmer mit Betriebsvermögensvergleich hätte dies ebenso handhaben müssen.
(BFH v. 16.09.2010 – VIII R 3/08)