Auslandsreisen mit teilweiser betrieblicher Veranlassung können steuerlich berücksichtigt werden.

(c) Abe Mossop - Fotolia.com

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Betriebsausgaben und Werbungskosten sind so eine Sache. Während die Steuerpflichtigen davon überzeugt sind, dass sämtliche Ausgaben der Erhaltung ihrer Einnahmen dienen und somit steuermindernde Betriebsausgaben oder Werbungskosten sind, ist die Finanzverwaltung doch häufig der Auffassung, dass es sich um Kosten der privaten Lebensführung handelt. Diese sind dann natürlich nicht absetzbar.
Einem Unfallarzt entstanden Aufwendungen aus einem sportmedizinischen Wochenkurs am Gardasee. Diese Kosten wollte er steuerlich berücksichtigen. Die Fortbildung war von der Ärztekammer für den Erwerb der Zusatzbezeichnung „Sportmedizin“ anerkannt. Sie war von verschiedenen Voraussetzungen abhängig, u. a. auch eine Teilnahme an den von der Ärztekammer anerkannten sportmedizinischen Kursen von insgesamt 120 Stunden Dauer. Das Kursprogramm sah so aus, dass früh Morgens und am späten Nachmittag Vorträge statt fanden und zwischen 9.15 und 15.45 Uhr Sportarten (Surfen, Biken, Segeln, Tennis und Bergsteigen) in Theorie und Praxis ausgeführt wurden.
Die Finanzverwaltung wollte diese Reisekosten nicht als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben anerkennen. Bisher hätte auch der Bundesfinanzhof so entschieden, denn bisher war Voraussetzung, dass die Reise ausschließlich oder wenigstens nahezu ausschließlich der beruflichen bzw. betrieblichen Sphäre zuzurechnen ist. Diese Auffassung wurde nun grundlegend geändert (wir berichteten am 14.01.2010). Jetzt können gemischte Reisen, sofern sie abgrenzbare berufliche bzw. betriebliche und private Anteile enthalten, aufgeteilt werden. Die Aufteilung erfolgt anhand der Zeitanteile.
So kommt der Unfallarzt zumindest in den teilweisen Genuss seine Reisekosten steuerlich geltend zu machen.
(BFH v. 21.04.2010 – VI R 66/04)