Können die Aufwendungen für eine Asbest Sanierung am Hausdach als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgezogen werden? Hierzu hat kürzlich der Bundesfinanzhof ein wichtiges Urteil gesprochen. Demnach kommt es auf die Umstände des jeweiligen Einzelfalles an.

Eine Steuerzahlerin zog im Jahr 1976 in ein Reihenhaus ein. Das Dach ihres Eigenheims bestand aus Asbestzement – Wellplatten. Im Jahre 2005 entschloss sie sich dazu, diese durch eine Eindeckung mit Ziegel zu ersetzen. Im Folgenden machte sie die Kosten für die Sanierung in ihrer Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen geltend. Als das Finanzamt die Anerkennung dieser Ausgaben im Steuerbescheid ablehnte, legte sie zunächst erfolglos Einspruch ein und zog vor Gericht. Das Finanzgericht gab ihrer Klage zunächst statt. Hiergegen legte die Finanzverwaltung Revision ein.

Der Bundesfinanzhof hob mit Urteil vom 29.03.2012 (Az. VI R 47/10) diese Entscheidung auf. Die Richter begründeten das damit, dass die Kosten für eine Asbestsanierung nicht zwangsläufig als außergewöhnliche Belastungen anzusehen sind. Vielmehr muss im jeweiligen Einzelfall dargelegt und nachgewiesen werden, dass eine konkrete Gesundheitsverletzung besteht. Inwieweit eine Gesundheitsgefahr besteht, hängt auch von dem verwendeten Asbest ab. Darüber hinaus darf für den Käufer beim Kauf der Immobilie noch nicht erkennbar gewesen sein, dass die Wohnung sanierungsbedürftig gewesen ist. Weiterhin dürfen keine realisierbare Ansprüche gegenüber Dritten bestehen. Der Nachweis bezüglich einer konkreten Gesundheitsgefahr muss nicht zwangsläufig durch ein amtliches technisches Gutachten erfolgen. Das Finanzgericht muss nunmehr die erforderlichen Feststellungen nachholen, ehe eine abschließende Entscheidung ergeht.