Der Besitzer einer Eigentumswohnung kann die Kosten für den Schutz vor Elektrosmog unter Umständen als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen. Dies ergibt sich aus einem Urteil des FG Köln.

Im vorliegenden Fall litt die Eigentümerin einer Wohnung unter einer Elektrosensibilität, die bei ihr zu Migräne und Tinnitus führten. Sie schaffte daher in ihrem Haushalt alle Geräte ab, die Elektrosmog Hochfrequenzstrahlung aussenden. Darüber hinaus schirmte sie sich gegen die Strahlung aus den Nachbarwohnungen ab. Den hierfür ausgegeben Betrag in Höhe von über 17.000 Euro machte sie in ihrer Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen geltend. Doch das Finanzamt lehnte die Anerkennung als außergewöhnliche Belastungen  im Steuerbescheid ab, weil sie kein amtsärztliches Gutachten vorgelegt hatte. Hiergegen legte die Steuerzahlerin Einspruch ein und legte zwei Gutachten und Ärzten sowie ein baubiologisches Gutachten vor. Doch das Finanzamt ließ sich hiervon nicht überzeugen. Hiergegen klagte sie beim Finanzgericht Köln.

Das Finanzgericht Köln gab mit Urteil vom 08.03.2012 (Az. 10 K 290/11) der Klage der Wohnungseigentümerin statt. Zunächst einmal verweisen die Richter darauf, dass der Nachweis der medizinischen Notwendigkeit nicht nur durch das Attest eines Amtsarztes erbracht werden kann. Dies ergibt sich aus der aktuellen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes, die kürzlich eine Kehrtwende

vollzogen hat (Az. VI R 17/09). Darüber hinaus darf der Begriff der medizinischen Notwendigkeit nicht zu eng ausgelegt werden. Das bedeutet: Das Finanzamt muss demzufolge auch die Kosten für alle diagnostischen und therapeutischen Verfahren übernehmen, die aus medizinischer Sicht sinnvoll sind. Es ist hingegen nicht erforderlich, dass eine Maßnahme zur Sicherung einer Mindestversorgung erforderlich ist.

Das Finanzgericht Köln hat die Revision zum Bundesfinanzhof nicht zugelassen. Gleichwohl ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig. Abzuwarten bleibt, ob die Finanzverwaltung Nichtzulassungsbeschwerde einlegt.