Sind Reisekosten von privat und beruflich gemischten Reisen aufteil- und steuerlich absetzbar?

„Nein!“, so die Antwort der bisherigen Rechtsprechung. Für Reisen, die sowohl einen beruflichen als auch privaten Zweck haben galt seit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs von 1970 ein Aufteilungs- und Abzugsverbot. Die konkrete Folge ist, dass Reisekosten nicht abgesetzt werden können sobald z.B. im Anschluss einer beruflichen Reise ein Privataufenthalt angeschlossen wird.

In dieser Lage fand sich auch ein kaufmännischer Angestellter wieder, der 1994 eine dienstliche Reise zu einer 4-tägigen Konferenz antrat und die Gelegenheit nutzte, noch 3 Tage privaten Aufenthalt anzuschließen. Der Angestellte machte die volle Woche als Werbungskosten geltend: Flugkosten, Tagungsgebühren, Verpflegungsmehraufwand und Hotelkosten für 6 Übernachtungen. So nicht, entschied das Finanzamt. Nur 4 Tage der Reise hätten einen dienstlichen Zweck und seien abzugsfähig. So weit so gut, doch gemäß des Aufteilungs- und Abzugsgebots seien auch die Flugkosten nicht abzugsfähig, da die Reise nun auch einen privaten Zweck gehabt hätte. Der Angestellte klagte….

und der Große Senat des Bundesfinanzhofs gab Recht (Beschluss v. 21.9.2009, GrS 1/06) und damit seine bisherige Rechtsprechung und das Aufteilungs- und Abzugsverbot auf. Ausgangspunkt der Entscheidung ist die uneinheitliche Entwicklung der Rechtsprechung, die in zunehmendem Maß Ausnahmen, welche der BFH im Urteil von 1979 zugelassen hatte, von dem allgemeinen Aufteilungs- und Abzugsverbot zulässt (u.a. bei Telefongrundgebühren und PC-Kosten sowie bei den Zinsaufwendungen für „gemischte“ Kontokorrentschulden).

Beruflich-privat gemischte Aufwendungen (i.d.R. Reisekosten) können ab sofort in berufliche und dienstliche Zeitanteilen aufgeteilt und letztere abgezogen werden. Im konkreten Streitfall bedeutet dies, dass 4/7 der Flugkosten abgesetzt werden können. Allerdings muss der Steuerpflichtige die berufliche Veranlassung der Aufwendungen im Einzelnen umfassend darlegen und nachweisen. Bei völlig untergeordneter Bedeutung der beruflichen oder privaten Veranlassung unterbleibt eine Aufteilung. Lassen sich die Kosten nicht eindeutig trennen, müssen die beruflich und privat veranlassten Kostenanteile im Wege der Schätzung ermittelt werden. Lassen sich aber überhaupt keine objektivierbaren Kriterien für eine Aufteilung in dienstliche und private Zeiteinheiten finden, dann verfällt sie Aufteilungs- und Abzugsmöglichkeit. Aufteilungs- und Abzugsfähig sind alle gemischt veranlasste Aufwendungen, nicht nur Reisekosten.

Der Bundesfinanzhof hat damit in einer wichtigen Entscheidung die Absetzbarkeit von Reisekosten erleichtert. Gefällt ihnen der Ort ihrer Dienstreise und sie würden gerne ein paar nette Tage dranhängen? Mit der Entscheidung des BFH gibt es eine finanzielle Falle weniger.