Was müssen Freiberufler selbst in die Hand nehmen um freiberufliche Einkünfte zu erzielen?

Im vorliegenden Fall ging es um eine Klägerin, die eine Gemeinschaftspraxis für Anästhesie betreibt und ihre Tätigkeit durch ihre Gesellschafter ohne Praxisräume als mobiler Anästhesiebetrieb in fremden Arztpraxen erbringt. Die Gemeinschaftspraxis wird als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) geführt. Die Leistungserbringung erfolgt für andere Ärzte, die Operationen unter Narkose durchführen wollen. Dabei führte einer der Gesellschafter am jeweiligen Patienten eine Voruntersuchung durch und schlug eine Behandlungsmethode vor. Die Anästhesie allerdings nahm dann ein anderer Arzt in die Hand. Die GbR beschäftigte in den strittigen Jahren eine Ärztin, die diese Anästhesien nach den Voruntersuchungen der Gesellschaft in einfach gelagerten Fällen vornahm. Kompliziertere Fälle blieben den Gesellschaftern der GbR vorbehalten. Das Finanzamt sah die Tätigkeit der GbR wegen Beschäftigung der angestellten Ärztin als nicht freiberuflich an, da diese nach Auffassung des Finanzamts nicht leitend und eigenverantwortlich tätig war. Das Finanzamt ging von einer gewerblichen Tätigkeit aus und wollte Gewerbesteuermessbescheide erlassen.
Der Bundesfinanzhof klärte: Die Mithilfe qualifizierten Personals ist für die Freiberuflichkeit der Berufsträger unschädlich, wenn diese bei der Erledigung der einzelnen Aufträge aufgrund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig sind Ein Arzt schuldet seinem Patienten eine höchstpersönliche, individuelle Arbeitsleistung und muss deshalb einen wesentlichen Teil der Leistungen selbst übernehmen. Ausreichend ist es, wenn der Arzt aufgrund seiner Fachkenntnisse durch regelmäßige und eingehende Kontrolle tätig wird und dann auf die Tätigkeiten seines angestellten Fachpersonals zurückgreift. Damit trägt die Leistung den „Stempel der Persönlichkeit“ des Steuerpflichtigen. Dies ist im Einzelfall zu klären, ist aber im vorliegenden Fall gegeben. Bereits die Richter der Vorinstanz hatten dies so erkannt, wegen der ausschließlich von den Gesellschaftern durchgeführten Voruntersuchungen. Müssten die Freiberufler auch noch die Anästhesietätigkeit zwingend selbst erledigen, wäre der Einsatz vorgebildeten Personals im Heilberuf quasi ausgeschlossen und damit die Anforderungen des Gesetzes recht überstrapaziert.
(BFH vom 16.07.2014 – VIII R 41/12)