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Berufsunfähigkeitsversicherung: Sonderausgaben oder Werbungskosten?

Dienstag, den 6. März 2012 (admin)

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung gilt für das Finanzamt im Allgemeinen als begrenzt abzugsfähige Sonderausgabe. Das unterscheidet sie steuerlich von den voll abzugsfähigen Werbungskosten.

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung gilt für das Finanzamt im Allgemeinen als begrenzt abzugsfähige Sonderausgabe. Das unterscheidet sie steuerlich von den voll abzugsfähigen Werbungskosten. Unternehmer hätten gern die zweite Regelung, weil diese eine deutlich höhere Entlastung bringt, Gerichtsurteile widersprachen jedoch mehrfach dieser Auffassung. Es gibt aber über die Rürup-Rente den Weg des höheren Steuerabzugs.

Begrenzt abzugsfähige Sonderausgaben

Hierzu zählen die Versicherungsbeiträge für Krankenversicherung und Pflegeversicherung, LV und Rentenversicherung, private Unfallversicherungen und private Haftpflicht. Diese begrenzt abzugsfähigen Sonderausgaben unterliegen einem Vorwegabzug (3.068 € pro Person, bei Ehepaaren das Doppelte) und Grundhöchstbeiträgen (1.334 € für ein Ehepaar). Danach wird ein Restabzug ermittelt, der 50 Prozent der ersten Zwischensumme, höchstens aber 50 Prozent vom Grundhöchstbeitrag ausmacht. Diese Rechnung muss im Einzelfall von einem Steuerberater vorgenommen werden, es ist jedoch damit zu rechnen, dass ein Normalverdiener etwa 50 bis 60 Prozent der begrenzt abzugsfähigen Sonderausgaben zum Steuerabzug bringt.

Abzug über die Rürup-Rente

Innerhalb der Rürup-Rente kann auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden, die dann innerhalb des Gesamtbeitrages zum Steuerabzug gebracht wird. Dieser beträgt 74 Prozent (Stand: 2012) und erhöht sich pro Jahr um 2 Prozent. Damit wären also höhere Beiträge steuerlich abzugsfähig, als wenn die BU gesondert abgeschlossen wird. Zur Rürup-Rente ist Selbstständigen schon aus Gründen der geförderten Altersvorsorge ohnehin zu raten, auch weil sie eine sehr große Flexibilität ermöglicht und in Jahren hoher Gewinne stets zur Steueroptimierung zugunsten der Altersvorsorge eingesetzt werden kann. Ein besseres Modell kann es für Selbstständige kaum geben, zumal der Höchstbetrag der steuerlich abzugsfähigen Einzahlungen bei 20.000 Euro pro Person liegt (Ehepaare: 40.000 Euro).

Urteil zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Nach mehreren Auseinandersetzungen vor Landesfinanzgerichten gibt ein Urteil des Bundesfinanzhofes aus dem Jahr 2006 die Linie für die BU klar vor (Aktenzeichen: VI B 64/04). Ein Unternehmer hatte geklagt, er wollte den privaten BU-Schutz vollständig als Werbungskosten absetzen. Sein Argument: Seine Firma wäre ohne ihn nicht lebensfähig, es handele sich damit klar um eine Betriebsausgabe. In diesem besonderen Fall hatte der Unternehmer die Beiträge für die BU so hoch angesetzt, dass der dann zu zahlende Schutz (wenn er berufsunfähig geworden wäre) sogar für ein Geschäftsführergehalt gereicht hätte. Die Richter sahen den Fall jedoch anders. Die BU diene allein seiner privaten Absicherung. Ein Unternehmensrisiko decke sie nicht ab, falle mithin auch nicht unter die Werbungskosten wie etwa eine betriebliche Haftpflichtversicherung. Ein Urteil des Bundesfinanzhofes ist nicht mehr anfechtbar, es ist daher den Unternehmern zur Rürup-Rente zu raten. Diese stellt den steuerlich optimalsten Weg dar. Wer diese Rente nicht abschließen kann oder möchte, sollte sich für eine eher kleine BU und andere Vorsorgemodelle entscheiden.

 




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